Drehmomente – Filme von Dieter Roth

Die experimentellen Filme „Pop“, „Pop 1“, „Dock 1“, „Dock 2“, „Letter“ und „Dot“ von Dieter Roth stehen im Zentrum der Ausstellung "Drehmomente". Roth schuf die Filme 1957 in Kopenhagen, zerstörte sie kurz nach ihrer Entstehung und rekonstruierte sie 1961 in Reykjavik. Anlass der Ausstellung ist der diesjährige 10. Todestag des in Hannover geborenen und international bedeutenden Künstlers.

Dieter Roths facettenreiches Werk reicht von Malerei, Grafik und Zeichnung, Objekt und Skulptur, Editionen, Möbel und Schmuck, Aktion, Installation, Audio- und Videoarbeiten bis zum Film. Als Künstler, Verleger, Lehrer, Dichter und Kurator seines eigenen Werks vereinte er Kunst und Leben auf einzigartige Weise und prägte entscheidend seine und folgende Künstlergenerationen.

Die ungewöhnliche ästhetik der Filme entfaltet sich, ausgehend von der Idee eines „wahnsinnigen Drehmoments“, so Roth in einem Interview 1976, im Zusammenspiel von Bewegung und Licht, in Buchstabenspielen und durch die konkrete Bearbeitung des Filmmaterials. Für „Dot“ beispielsweise stanzte Roth mithilfe einer Lederzange Löcher direkt in den Filmstreifen. Das durch die unterschiedlich großen Löcher hindurch brechende Licht wird zum immanenten Bestandteil des Werks.

Den Filmen werden in der Ausstellung u. a. kinetische Objekte und grafische Arbeiten des Künstlers aus den 1950er bis 1970er Jahren gegenübergestellt. Auf diese Weise zeigen sich konzeptuelle, ästhetische und formale Beziehungen zwischen Film und bildnerischem Werk. Die prozessuale Bilderfahrung, die Roth in den Filmen zu einem ersten Höhepunkt führte, wird im grafischen Bereich gegen 1954 erkennbar.

In der Auseinandersetzung mit den Züricher Konkreten, u. a. mit Max Bill und Camille Graeser, entstanden Werke, in denen sich Roth mit virtuellen Licht- und Bewegungsphänomenen beschäftigte. In seinen Filmen ließ Roth die plane Fläche seiner konkreten Arbeiten mit der Provokation des Auges durch schnelle Bildwechsel, überlagerungen und Lichteffekten hinter sich. Die Filme erweisen sich als konsequente Weiterführung der Idee, virtuelle Bewegung im Bild darzustellen.

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